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Hast du dich schon einmal gefragt, warum ein Foto auf deinem Smartphone brillant aussieht, aber auf deinem Monitor plötzlich flau und leblos wirkt? Oder warum der Ausdruck deines neuesten Designs so gar nicht mit dem übereinstimmt, was du am Bildschirm gesehen hast?
Die Antwort liegt in der Welt der Farbräume. Wenn du die Unterschiede zwischen sRGB, AdobeRGB und DCI-P3 verstehst, triffst du beim Monitorkauf nie wieder die falsche Wahl. In diesem Guide erkläre ich dir einfach und präzise, was hinter diesen Begriffen steckt.
Egal, ob du Gamer, Fotograf oder Office-Nutzer bist: Nach diesem Artikel weißt du genau, welche Farbräume für dich wichtig sind und wie du das Maximum aus deiner Bildqualität herausholst. Lass uns direkt eintauchen!
Was sind Farbräume eigentlich? Eine einfache Definition

Stell dir einen Farbraum wie einen Malkasten vor. Jeder Kasten enthält eine bestimmte Anzahl an Farben. Ein kleiner Kasten hat nur die Grundfarben, während ein Profi-Set hunderte Nuancen von Türkis oder Magentatönen bietet.
In der digitalen Welt ist ein Farbraum eine definierte Palette an Farben, die ein Gerät (Monitor, Kamera, Drucker) darstellen oder verarbeiten kann. Da kein technisches Gerät alle Farben abbilden kann, die das menschliche Auge sieht, nutzen wir Standards.
Diese Standards sorgen dafür, dass ein „Rot“ auf deinem Monitor genau so definiert ist wie auf meinem. Ohne diese Einigung gäbe es im digitalen Workflow ein absolutes Chaos. Die bekanntesten Vertreter dieser Standards sind sRGB, AdobeRGB und DCI-P3.
sRGB: Der Standard für das Internet und den Alltag
Wenn wir über Farbräume sprechen, führt kein Weg an sRGB vorbei. Dieser Standard wurde bereits 1996 von Microsoft und HP entwickelt. Er ist heute der absolute Standard für das Web, fast alle Consumer-Monitore und Windows-Anwendungen.
Warum sRGB für fast jeden ausreicht
Für die tägliche Arbeit, das Surfen im Netz oder das Schauen von YouTube-Videos ist sRGB ideal. Da fast alle Inhalte im Netz für diesen Farbraum optimiert sind, sehen die Farben auf fast jedem Gerät „richtig“ aus.
Die Grenzen von sRGB
Der größte Nachteil ist seine Größe. sRGB deckt nur einen kleinen Teil des sichtbaren Farbspektrums ab. Besonders in den Bereichen Grün und Cyan fehlen viele feine Abstufungen. Für professionelle Bildbearbeitung oder den hochwertigen Druck ist er daher oft zu limitiert.
Pro-Tipp: Wenn du einen Monitor kaufst, achte auf eine Angabe wie „100 % sRGB-Abdeckung“. Das garantiert dir, dass alle Farben des Standard-Internets korrekt dargestellt werden.
AdobeRGB: Das Must-have für Fotografen und Print-Profis
Adobe entwickelte diesen Farbraum 1998, um die Schwächen von sRGB auszugleichen. Das Ziel war es, die Farben abzudecken, die ein moderner CMYK-Drucker zu Papier bringen kann.
Wo AdobeRGB seine Stärken ausspielt
Der AdobeRGB-Farbraum ist deutlich größer als sRGB. Er bietet vor allem in den Grün- und Blautönen viel mehr Tiefe. Wenn du Landschaftsfotograf bist, wirst du den Unterschied sofort bemerken: Ein sattes Waldgrün wirkt in AdobeRGB lebendiger und differenzierter.
Wer braucht diesen Farbraum wirklich?
Du profitierst von AdobeRGB, wenn du:
- Deine Fotos professionell bearbeitest (RAW-Entwicklung).
- Deine Werke später drucken lassen möchtest.
- Einen High-End-Monitor besitzt, der diesen Raum auch physisch darstellen kann.
Wichtiger Hinweis: Wenn du Bilder in AdobeRGB bearbeitest, sie aber unkonvertiert im Web veröffentlichst, wirken sie auf normalen Monitoren blass. Du musst sie für das Internet immer in sRGB exportieren.
DCI-P3: Der Standard für Kino-Feeling und HDR
DCI-P3 ist der moderne Star unter den Farbräumen. Er stammt ursprünglich aus der digitalen Filmprojektion (Cinema) und wird heute immer wichtiger für das Heimkino und moderne Smartphones (wie das iPhone).
Warum DCI-P3 die Zukunft ist
DCI-P3 liegt größenmäßig zwischen sRGB und AdobeRGB, setzt aber andere Schwerpunkte. Er konzentriert sich stark auf gesättigte Rot- und Gelbtöne. Das ist genau das, was wir für spektakuläre HDR-Inhalte (High Dynamic Range) brauchen.
DCI-P3 für Gamer und Filmfans
Wenn du gerne Blockbuster schaust oder moderne AAA-Games spielst, solltest du auf eine hohe DCI-P3-Abdeckung achten. Er sorgt für diesen „Pop“-Effekt, den wir von modernen OLED-Displays kennen. Die Farben wirken extrem satt und realistisch, ohne künstlich übersteuert zu sein.
Farbraumabdeckung vs. Farbraumvolumen: Der feine Unterschied
Beim Monitorkauf liest du oft Zahlen wie „125 % sRGB“. Das klingt super, kann aber täuschen. Hier musst du zwischen zwei Begriffen unterscheiden:
- Abdeckung: Das ist der Prozentsatz des Farbraums, den der Monitor tatsächlich präzise innerhalb der Normgrenzen anzeigt. 100 % Abdeckung ist das Ziel.
- Volumen: Dies gibt an, wie viele Farben der Monitor insgesamt anzeigen kann. Ein Monitor mit 125 % sRGB-Volumen kann zwar mehr Farben anzeigen, aber sie liegen vielleicht außerhalb der sRGB-Norm.
Die Folge: Wenn das Volumen viel größer ist als die Abdeckung, wirken Farben oft „neonartig“ oder unnatürlich übersättigt, weil der Monitor über das Ziel hinausschießt.
Welcher Farbraum passt zu deinem Workflow?

Die Wahl der richtigen Farbräume hängt massiv davon ab, was du vor dem Bildschirm tust. Hier ist eine kleine Entscheidungshilfe:
1. Office, Web-Surfen und Standard-Gaming
Hier ist sRGB dein bester Freund. Ein Monitor mit 99 % oder 100 % sRGB-Abdeckung ist preiswert und liefert für 90 % aller Anwendungen ein perfektes Bild.
2. Professionelle Fotografie und Grafikdesign
Du benötigst einen Monitor mit hoher AdobeRGB-Abdeckung (mindestens 95 %). Nur so siehst du die Details in den gesättigten Farben, die später im Druck wichtig sind.
3. Videoproduktion und HDR-Enthusiasten
Setze auf DCI-P3. Da moderne Streaming-Dienste (Netflix, Disney+) und Konsolen auf HDR setzen, ist dieser Farbraum entscheidend für ein immersives Erlebnis.
Farbtiefe: 8-Bit vs. 10-Bit – Warum das wichtig ist
Zusätzlich zu den Farbräumen spielt die Farbtiefe eine Rolle. Während der Farbraum definiert, welche Farben möglich sind, bestimmt die Farbtiefe, wie fein die Abstufungen zwischen diesen Farben sind.
- 8-Bit: Kann 16,7 Millionen Farben darstellen. Das ist der Standard für sRGB.
- 10-Bit: Kann über 1 Milliarde Farben darstellen.
Wenn du in großen Farbräumen wie AdobeRGB arbeitest, brauchst du 10-Bit, um unschöne Farbabrisse (Banding) in Verläufen (z. B. am Himmel) zu vermeiden.
Fazit: Die richtige Wahl für dein Setup
Das Verständnis der verschiedenen Farbräume hilft dir dabei, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Du musst kein Vermögen für einen AdobeRGB-Monitor ausgeben, wenn du lediglich im Web surfst. Umgekehrt wird ein einfacher Office-Monitor deine Arbeit als Fotograf massiv einschränken.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
- sRGB ist der solide Allrounder für das Internet.
- AdobeRGB ist das Werkzeug für den Profi-Druck.
- DCI-P3 bringt modernes Kino und HDR auf deinen Schreibtisch.
Achte beim nächsten Kauf nicht nur auf die Auflösung (4K), sondern vor allem auf die Farbraumabdeckung. Deine Augen werden es dir danken!




